kann man eine wochenendreise ganz ohne lonelyplanet, faltkarte oder local touriguide bestreiten? am abend vor der reise nach kopenhagen speicherte ich die orte, die ich mir anschauen wollte, in einer foursquare-liste und erstellte zudem eine karte in google. wie sich im laufe des tages heute herausstellte, kann google mit blackberry nur mit einer entsprechenden anwendung karten ordentlich aufrufen, so dass die faltkarte aus dem hotel herhalten musste. mit der ging es aber ganz gut.

ganz ohne karte schaffte ich es am heutigen morgen auf den offenbacher wochenmarkt, der bei herrlichem wetter um diese frühe zeit noch überschaubar besucht war. beim verspeisen des frühstücks unterhielt ich mich mit einer – wie sich dann herausstellte – einundachtzigjährigen, die seit 1962 auf dem markt ist, ein sehr netter plausch.

die fahrt zum flughafen und auch der flug (mit sas – nichts besonderes) verliefen relativ unspektakulär, spektakulär ist aber in der tat das buch, welches ich begann zu lesen: humanize – how people-centric organizations succeed in a social world von jamie notter und maddie grant. ich hoffe, dadurch eine anregung zu bekommen, die richtigen punkte zu verbinden – die zeit der veränderung hat längst begonnen und wer (als unternehmen) darauf keine antwort für sich findet, wird probleme bekommen – existentielle.

die sonnenbrille hätte ich allerdings zu hause lassen können, kopenhagen empfing uns mit 9 grad celsius und nebel. der foursquare check-in am flughafen brachte jedoch sensationelle 15 punkte auf einmal, was mich in sonnige laune versetzte: fünf punkte für das erste mal in dänemark, 3 punkte für den ersten check-in an diesem flughafen, zwei punkte, da ich als erster aus meinem freundeskreis hier eingecheckt hatte, drei punkte für 422 flugmeilen und zwei punkte, weil der mayor im haus war. tataaa! im verlaufe des tages kamen auch noch zwei badges hinzu, ein lohnenswerter foursquare-tag. aufgefallen ist mir aber, dass facebook die foursquare check-ins sehr schwiegermütterlich behandelt, nicht zuletzt sicherlich, da sie in direkter konkurrenz zur eigenen facebook-orte-anwendung stehen. diese sind in der mobilen blackberry-variante von facebook nicht einsehbar und auch kommentare darauf lassen sich nicht lesen.

da ich ja mehr oder weniger nur im ausland zug fahre (und das meist in ermangelung eines autos – asche auf mein co2-bilanzhaupt), fiel mir im zug vom flughafen nach humlebaek auf, dass es dort einen kaffeeautomaten an bord gab – ist so etwas in deutschland auch schon in zügen enthalten … wenn die nette zugbegleitung aus der ersten klasse mal wieder unauffindbar ist?

in humblebaek angekommen lief ich bewaffnet mit meinem trolley in richtung des museums … wie ca. 25 andere menschen auch noch. das reichte als orientierung aus, auch wenn eine menge schilder den weg zum museum weisen, ganz ehrlich, was anderes hat der ort auch nicht, ausser dem bahnhof, einer reinigung und einer tankstellt – dänische landidylle soweit das auge reicht. schlussendlich erreichte ich das louisiana museum of modern art – ein kleines haus, das sich mit seinen erweiterungsbauten als grosser hort moderner kunst entpuppte. es war richtig richtig voll. nach etwas anstehen kam ich dann in die ausstellung und hier tat sich die ganze pracht des gurskyschen schöpfungswerkes auf. neben neueren werken, die ich bis dato auch nicht kannte, wie zum beispiel v&r, 2011 oder bangkok II, V und VI, 2011, waren unter anderem das bild hamm, bergwerk ost, 2008 zu sehen, über dessen entstehen ein film gedreht wurde, worüber ich berichtet hatte. aber auch die bekannten bilder wie paris montparnasse, 1993; frankfurt, 2007; f1 boxenstopp, 2007; tokyo börse, 1990; prada II, 1997 oder pjongyang IV, 2007 waren in ihrem beeindruckenden detailsreichtum zu sehen.

kunst macht hungrig und so gab es ein smorrebrod mit lachscreme sowie dänischem kuchen zur stärkung. der ausblick dabei auf das meer war hervorragend. auch schön ein kleines aber feines kunstwerk von emlgren/dragset: powerless structures, fig. 11, 1997 – ein im gebäude installiertes sprungbrett, das in der hälfte des brettes von der aussenscheibe des museums unterbrochen wird – die zweite hälfte des brettes ragt aus dem gebäude heraus – hervorragend!

mit potisheads ‚machine gun‘ (oh gott, wie lange habe ich dieses lied nicht mehr gehört) ging es die landstrasse entlang zurück nach kopenhagen und freute mich am bahnhof ob der iren, die ihren nationalfeiertag in kopenhagen feierten – es gibt glaube ich günstigere orte zum biertrinken. :-) zumindest war nun auch die sonne da und mit dem taxi ging es relativ flott durch die mit baustellen durchdrungene innenstadt zum hotel. dieses liegt etwas ausserhalb an einer einfallstrasse direkt am wasser und neben dem cinemaxx gelegen. nebenan sind eine menge banken (nybank ist hier ganz gross und hat gefühlt zwanzig gebäude hier stehen), das hotel ist sehr stylisch und auch das zimmer genügte durchaus meinen ambitionierten designansprüchen. :-) beim auspacken lief eurosport2 – dortmund gegen bremen und das mit dänischen kommentaren, hörte sich an wie der chefkoch der muppets.

direkt nach dem auspacken und einem espresso in der ebenfalls sehr netten hotelbar ging es auf entdeckungsreise – mit shopping war essig, da die läden hier, wie mir die dame an der rezeption gleich erklärte, um 16 uhr schließen und auch sonntags geschlossen sind.

der anschließende spaziergang führte mich einmal quer durch kopenhagen, zunächst entlang des wassers an einer menge architektonisch sehr interessanter moderner bürogebäude aber auch alter kontore vorbei. schließlich erreichte ich nyhavn, die ausgehmeile von kopenhagen und wohl das beliebteste fotomotiv. im barock-cafe gab es eine stärkung in form von seafood und lecker bierchen, welches dort auch direkt auf der strasse ‚to-go‘ ausgeschenkt wird. allerdings fand ich auch noch einen ’netto‘, in dem ich etwas einkaufen konnte, auch wenn sonst alles geschlossen war. die strassen machten ohnehin einen sehr leeren eindruck, ich hatte das gefühl, dass alle sportschau anschauen würden und im schloßpark war ich fast alleine. das änderte sich, als ich die einkaufsstrassen von kopenhagen kam. trotz geschlossener läden war hier noch reger betrieb. besonders auffallend war, dass eine menge zwar noch arktisch gekleidet (immer schön mit mützchen) aber durchaus mit dem fahrrad unterwegs waren – so geht hier frühling also. :-) auch toll ist, dass es eine menge öffentliche wcs gibt – thank god! :-) mit einem kleinen schlenker christianshavn (die angeblich so tolle ubahn-station habe ich entweder nicht gefunden oder sie ist völlig unspektakulär) ging es dann mit 175 fotos im gepäck zurück ins hotel – die stadt bietet eine menge motive für nachtfotos und so hatte ich seit langem mal wieder zeit und muse, welche anzufertigen – auch qua handgepäck ganz ohne stativ.

die kleine meerjungfrau habe ich heute völlig ignoriert und morgen werde ich ihr auch nicht besonders viel aufmerksamkeit schenken. die zeit wird vielleicht noch reichen, um sich etwas näher mit dem thema design auseinandersetzen, von dem dänemark eine ganze menge zu bieten hat.

UPDATE: bilder