ich hatte es schon mal geschrieben: es sind die kleinen dinge, die den eindruck zu einer stadt prägen. so war das in vancouver und – vielleicht liegt es an einer etwas eingetrübt-selektiven wahrnehmung – in hongkong nehme ich das auch wahr, allerdings etwas negativer ausgeprägt.

gestern abend beim kippchen rauchen vor dem hotel: eine junge familie kam mit baby im kinderwagen aus dem hotel zum wartenden taxi. statt dass der taxifahrer aussteigt und hilft, greift er lieber zum handy, telefoniert und beobachtet seine fahrgäste, wie sie sich mit dem einladen von kind und kegel schwer tun. so ist das eben hier.

um 22 uhr konnte ich kein auge mehr offenhalten, der grosse hammer der zeitzonenumstellung erwischte mich und setze mich mit nur einem schlag schach matt. dankenswerterweise war ich dafür dann um 3 uhr auch wieder topfit – carpe noctem und so – konnte aber bis 6 uhr dösen. auch die dauerrepeatschleife des hoteleigenen erklärvideokanals, der automatisch beim anschalten des fernsehens startet, half nicht: da wurden die zimmerfeatures wie das ipad, die vermilchglasungsfunktion der scheibe zum bad und – achtung – die höhenverstellung des schreibtischstuhls en detail erklärt und vorgeführt … keine chance, bei diesen spannenden und lehrreichen inhalten auch nur annährend tiefen schlaf zu finden. :-)

auch auf dem weg nach hongkong island mit der u-bahn war man mit nützlichen sicherheitshinweisen versorgt. an jeder – wirklich jeder rolltreppe – ergeht der hinweis, dass man sich bitte festhalten möge … „please hold the handrail“ – ich werde heute nacht davon träumen. es sind auch überall schilder angebracht, ich weiss nicht, welch schlimme erfahrung dieses land mit rolltreppen gemacht hat, dass ein solcher hinweis quasi inflationär an jeder rolltreppe zum einsatz kommt. in der u-bahn bemerkte ich, dass eine ganze menge leute mit einem kleinen grünen runden aufkleber auf der kleidung unterwegs waren. leider war das auf dem aufkleber so klein geschrieben, dass ich nur etwas von „association“ lesen konnte. es wird ein für immer ungelöstes rätsel bleiben, was das wohl war, aber es hatte mich beschäftigt.

in causeway bay angekommen, landete ich nach einem gefühlt fünf kilometer langen marsch durch die katakomben der ubahn-station – mal wieder – in einer mall, dieses mal der times square mall. es war bereits 10:30 uhr, aber die wenigsten läden darin hatten geöffnet – gut für meinen geldbeutel, schlecht für deren umsatz.

ich schaffte es tatsächlich, mich aus den zwängen des konsumwahns zu befreien und lief in der gegend ein wenig herum. eine strasse bildet offensichtlich den baumarkt von hongkong ab. da gibt es laminat, sanitäranlagen und -zubehör und einen offensichtlichen dauerkonkurrenzkampf zwischen american standard, ideal standard und toto, wer die grösste schüssel im angebot hat.

auf dem weg zu den lippo-towers entlang einer sechsspurigen strasse, was nicht wirklich spass gemacht hat, kam ich dann zufällig aber an admiralty vorbei, einem grossen gebäudekomplex, der irgendwelche administrativen einrichtungen von hongkong untergebracht hat. dort konnte ich endlich mal wieder den fotoapparat etwas exzessiver nutzen und die metropolencharakteristik inmitten der hochhäuser auf digitalen speichermedien einzufangen. endlich sah ich auch ein hinweisschild auf die uferpromenade, die ich nur allzugern aufsuchte, um dem unfassbaren verkehr und gestank dieser riesenstrasse zu entfliehen. in diesem zusammenhang sei erwähnt, dass das dasein als fussgänger auf der anderen seite der meeresstrasse auch nicht viel besser ist. zwar konnte man an vielen der strassen entlanglaufen, aber man wird ständig durch irgendwelche absperrungen bevormundet, durch die man die strassen an der stelle nicht überqueren kann, was vielleicht aus sicherheitsaspekten heraus motiviert ist. aber jedesmal einen ewig weiten umweg zu laufen oder aber eine über- oder unterführung zu nutzen, ist einfach nur nervig.

es ging nochmal ans wasser zur promenade, die allerdings gerade einer riesengrossen baustelle gleicht. ich lief bis zu den central piers und fand mich dann im anschluss quasi im herzen hongkongs – mal wieder eine mall. gut, dass ich da gerade unter einem befestigten dach war – in diesem falle sogar eines, in dem kaffee ausgeschenkt wird, da ein richtiges unwetter für ordentlich nässe sorgte. neben mir im cafe sassen ein älterer herr und eine chinesische dame beim deutschunterricht und als sie mit wilhelm busch durch waren, konnte ich auch wieder los zum mid-levels escalator. dabei handelt es sich um das weltgrösste ausseninstallierte rolltreppensystem mit einer länge von mehr als 800 metern, wobei mehr als 100 höhenmeter überwunden werden. unterwegs kommt man an einigen restaurants vorbei und findet sich dann wieder im stadtteil soho, durch den ich dann noch ein wenig geschlendert bin.

in absprache mit dem gesamten betreuerstab (pysiotherapeut, masseur, konditionstrainer und strategieberater) sowie der reiseleitung nahm ich mir dann den nachmittag ‚zur freien verfügung‘ – sprich frei. nach drei wochen hardcore-sightseeing bin ich jetzt erstmal durch mit erkunden und erforschen und habe insbesondere den eindruck, dass ich auch mit hongkong fertig bin. ich werde mich morgen nochmal auf den weg machen, die aussichtsplattform zu besuchen und dann geht es los auf die letzte etappe: den heimflug nach frankfurt.

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der blick vom hotelzimmer aus

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causeway bay

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ja, genau so fühlte ich mich dann auch :-)

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am fussgängerüberweg admiralty

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am wasser

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hochhäuser

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auf dem weg zum mid-level escalator