die mutter aller fragen
11.11.2009 um 23:37 uhr |
11 kommentare »
gedanken |
laiensoziologie, miteinander, reflexion&projektion
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fürsorgende eltern im eigentlichen sinne des wortursprungs, sich nämlich erst einmal sorgen für und nicht um einen zu machen, sind gedeih und verderben zugleich. natürlich machen sie sich sorgen um einen und das weiss ich auch sehr zu schätzen. mit diesem elterlichen instinkt der fürsorge einhergend ist auch das überkümmern oder die abgehende fähigkeit, klar zu trennen zwischen elterlichem wunsch, wie das leben des kindes ablaufen soll und der vorgefundenen realität, nämlich dann, wenn sie wieder kommt … die frage.
das leben ist kein wunschkonzert – auch und gerade nicht für eltern im hinblick auf die lebensgestaltung ihrer kinder. trotzdem kommen sie, die wünsche, deren vortragensweise so unterschwellig vorwerfend ist: die gleichsetzung damit, dass das persönliche glück davon abhängig ist, einen partner zu finden und kinder in die welt zu setzen. das eigene lebensmodell ist der massstab allen denkens, das ying und yang des lebens, der schlüssel zum glück. widerspricht man dieser recht einseitigen vorstellungsweise, werden horrorszenarien beschrieben von einem unerfüllten leben als konsequenz eines abweichens von der absolut gesetzten wahrheit des seins.
ich würde nicht so allergisch darauf reagieren und einen zehnminütigen monolog in den gehörgang meiner mutter pressen, wären es nur sie, die eltern, die nicht zuletzt aufgrund ihres alters und ihrer sozialen prägung ein anrecht darauf haben, im vergleich zu jüngeren diese etwas eingeschränkte sichtweise zu haben. doch auch im gleichaltrigen umfeld kommt da wieder die frage, bei der ich mir nicht sicher bin, ob die ergründung der antwort aus neugierde geschieht oder aus dem bewusstsein heraus, dass nur ein leben zu zweit die vollkommenheit auf erden darstellt und dem wissensdrang folgend, ob der gefragte diesen glücksseeligen zustand nun erreicht hat … “was macht die liebe?” – so geschehen gestern auf dem rückweg von der arbeit. ja was macht sie? sie wandelt zwischen den welten, wird gesehen und mal auch nicht, erfährt gegenliebe oder bleibt auf der strecke. versucht man dann der fragenden zu versichern, dass auch ohne eine 1zu1-beziehung alles in bester ordnung sein kann und ist, das persönliche lebensmodell nicht darauf ausgerichtet ist, den zustand in zweisamkeit glorifizierenderweise als state of being an allen ecken und enden zu suchen, liefert man sich sätzen aus, die da lauten: “ich glaube nicht, dass du glücklich bist, ich glaube, du bist schon etwas verkorkst.”
in diesen momenten überlege ich mir, ob meinem körper entgegen der üblichen notwendigkeit die einnahme von medikamenten (in diesem fall hochdosierte tranquilizer) zuträglich sein könnte oder johanniskraut grundsätzlich auch gut ist. wer ausser mir kann definieren, was glücklich sein für mich bedeutet? die bindung von zwei menschen und daraus abgeleitet das lebensmodell deluxe steht mal wieder als idealzustand im raum und was von der norm abweicht, muss unglücklich machen … zumindest in den augen anderer. diese denke mutet an wie ein banalisierte ungleichung … if lebensstatus is not verheiratet then go to welt voller scheisse.
leider begehe ich immer wieder den fehler, in einen rechtfertigungsmodus zu verfallen. die missionstätigkeit als messias der multioptionswelt scheitert jedoch kläglich, zumindest habe ich nicht das gefühl, das erklärungsmodelle als tiefe überzeugung verstanden werden, sondern eher als ausrede für das anders-sein. ich würde mir nur einmal wünschen, dass lebensmodelle, unabhängig davon, wie sie sind, von allen als gleichberechtigt existierend verstanden werden. so wie ich es für gut heisse, wenn jemand verheiratet ist und das auch so wünscht, denjenigen beglückwünsche, das für sich richtige modell gefunden zu haben und zu leben, muss es gestattet sein, ein wie auch immer geartetes anderes lebensmodell zu verfolgen. es mutet fast schon absolutistisch-totalitär an, wie eine bestimmte gruppe mit menschen umgehen, die ab einem gewissen alter nicht verheiratet sind und keine kinder haben. politisch korrekt ist es, homosexuellen pärchen zuzustehen, eine partnerschaft zu führen, aber für sich alleine zu sein und eben gar keine beziehung zu haben, mutet an, als sei man ein fall für die gruppeneinzeltherapie.
jeder hat seine aufgaben auf dem zettel des lebens. diese können lauten, eine familie zu gründen und kinder in die welt zu setzen. diese lauten aber nicht zwangsläufig für jeden so. stellt man dies in abrede, erfährt man die diskreditierung, dass man das heiraten ja so negativ sehen und schlecht machen würde, nur, weil man es selbst nicht kennt. hier die zitierfähige version darauf: lebt, wie ihr wollt, wenn ihr glücklich damit seid – ohne jegliche wertung dessen; aber gesteht jedem anderen auch zu, seine definition des glücks zu leben!
und so war sie heute (und auch gestern) wieder da, die mutter aller fragen, die gretchenfrage der moderne frei nach goethe: “nun sag, wie hast du’s mit deinem lebensmodell?” ich glaube, das meine gefunden zu haben, ohne mir nicht auch das recht herauszunehmen, das lebensmodell bei bedarf auch wieder anzupassen.



























James schrieb am 12.11.2009 um 01:06 uhr:
1) wenn, dann sind das if … then und nicht if … than anweisung! Ja, der klugscheisser und geek hat gesprochen
2) vielleicht fragen wir dich ja nur ständig um dich zu ärgern
3) ich bin zwar verheiratet, bin aber mit nem hund im moment zumindestens glücklicher als mitm kind, mein hund schläft wenigstens durch und kann auch mall ein paar stunden alleine bleiben und freut sich immer auf mich. das is doch auch ein lebensmodell :)
4) geh ma zu arzt, du denkst zuviel nach über sachen, das endet häufig schlecht
gruss aus bremgarten, schweiz
james
robert (admin) schrieb am 12.11.2009 um 08:19 uhr:
@james:
codeis poetry! :-) danke, du hast ja so recht. ist aber auch einer meiner lieblingsfehler, wird gleich korrigiert. :-)achsooOOO!
full ack – allerdings rücke ich für mich von diesem lebensmodell mit hund ab, so gerne ich einen haben würde, aber er wäre zu oft zu alleine.
ich sag’ bescheid, wenn es soweit ist, dass ich denke, ich müsste hin. bis dahin gilt: cogito, ergo sum. :-) … schlecht endet es eher, wenn ich mir um solche sachen gedanken mache, nämlich bislang ohne lösung.
viel spass noch in der schweiz und gute erholung!
nö nö nö schrieb am 13.11.2009 um 23:48 uhr:
ich würde homosexualität vortäuschen – die meisten schweigen sicher peinlich-betroffen, wenn du auf die frage nach der Beziehung etwas von “finden nicht DEN richtigen” antgwortest. da ist sicher – wenn auch nur für eine weile – ruhe :-)
nö nö nö schrieb am 13.11.2009 um 23:49 uhr:
man nehme meine rechtschreibfehler, packe sie in einen jutesack und werfe sie in den main nahe offenbach…
hagen schrieb am 14.11.2009 um 10:53 uhr:
bah ne. genau das wollte ich beim lesen deiner klage auch vorschlagen!
alternativ: wenn dir das zu abwegig erscheint, dann musst du eben die erklärung warum du DIE richtige noch nicht gefunden hast so detailiert beschreiben, dass es den gegenüber ähnlich peinlich berüht. :)
hagen schrieb am 14.11.2009 um 10:57 uhr:
nochwas anderes: dein traffic feed funktioniert aber auch nur so rudimentär, oder? ich komme NICHT AUS DARMSTADT!!!
wollte ich nur mal anmerken :)
robert (admin) schrieb am 14.11.2009 um 12:36 uhr:
@nö nö nö: guter plan, aber ich glaube der scheitert an unglaubwürdigkeit. ich dachte mittlerweile eher an einen vortäuschen-plan b – eintreten ins priesterseminar. :-)
@hagen: finden? suchen? äh nein. und du weisst ja, der gentleman schweigt und geniesst … keine details. :-) was feedjit betrifft – du wohnst auf dem land und darmstadt IST land … ich würde mir mal gedanken machen, über welche seltsamen knoten deine daten so gehen. :-)
Flopper schrieb am 14.11.2009 um 12:59 uhr:
bei mir schießt er auch 110 km daneben… erhöht aber dafür den Anonymitätsfaktor… auch was wert
Und Darmstadt ist Land… ^^
hagen schrieb am 15.11.2009 um 15:48 uhr:
hallo? landkreis OF, nix darmstadt :)
nina schrieb am 16.11.2009 um 21:34 uhr:
oh. wie. geil.
danke für die wenn-dann-formel! großartig!
robert (admin) schrieb am 16.11.2009 um 22:20 uhr:
@nina: thank u and thanks to the strawberry girl for the inspiration! ;-)